Die ehemaligen Kursbuchstrecken im Kreis Viersen:

Neuss - Kaarst - Schiefbahn - Neersen - Viersen

Am 15.11.1877 ging der 15,3 km lange Abschnitt Neersen - Neuss (über Schiefbahn) zeitgleich mit Eröffnung der Bahnlinie Mönchengladbach - Neersen - Krefeld (über Willich) als Strecke der damals privaten Rheinischen Eisenbahn in Betrieb. Etwa 1 Jahr später, am 01.11.1878 begann der Bahnverkehr auf dem 6,5 km langen Teilstück Neersen - Viersen. Die gesamte Strecke wurde eingleisig gebaut und wurde nie elektrifiziert. Am 29.09.1968 wurde die Bahnlinie für den Personenverkehr stillgelegt. Der überwiegende Teil der alten Trasse führt entlang des Nordkanals. Das alte Bahnhofsgebäude von Schiefbahn ist noch erhalten. Die Schienen wurden im Abschnitt Schiefbahn - Neersen erst Mitte der 80er Jahre entfernt. Wer mit der Bahn zwischen Viersen und Mönchengladbach unterwegs ist, kann kurz nach dem Viersener Rangierbahnhof die alte Abzweigung der Strecke in Richtung Neersen erahnen. Der Abschnitt Neuss - Kaarst wird seit September 1999 durch die zur Veolia-Gruppe gehörende REGIOBAHN bis zum Kaarster See als S28 im 20Min.-Takt befahren. Die 2-teiligen Dieseltriebwagen des Typs Talent lösten die VT628 der Deutschen Bahn ab. Neben dem VT628 waren hier früher auch die Akku-ET150 (BR515), der Schienenbus VT796("Retter der Nebenbahn") und mit V100 (BR212) und Silberling bespannte Züge unterwegs. In den 80er und 90er-Jahren wurde mehrfach über eine Streckenstilllegung des verbliebenen Abschnitts Neuss -Kaarst nachgedacht. In der örtlichen Presse war Ende Dezember 2008 über eine geplante Reaktivierung bis 2011/2012 nach Viersen zu lesen, sofern EU-Fördermittel flüssig gemacht würden. Die mögliche Trassenführung würde auf einer Länge von etwa 14,3 Kilometern über Schiefbahn und den Flughafen Mönchengladbach bis zum Viersener Bahnhof reichen. Von dort könnte die Bahn dann weiter auf der bestehenden Trasse bis nach Venlo geführt werden. Die Verlängerung nach Venlo ist zwingend, um für den dann grenzüberschreitenden Verkehr Gelder aus Brüssel zu bekommen.  Die reinen Baukosten bis Viersen würden rund 42 Millionen Euro betragen.

Kaldenkirchen - Lobberich - Grefrath - Kempen

Die 18,1 km lange Eisenbahnlinie Kaldenkirchen - Kempen wurde am 23.12.1867 durch die Rheinischen Eisenbahn-Gesellschaft in Betrieb genommen. Mitte der 1860er-Jahre standen drei verschiedene Streckführungen der späteren Bahnlinie zur Überlegung. Die Variante A sollte an den Krickenbecker Seen vorbeigeführt werden. Nach Variante B plante man eine Streckenführung an der Grefrather Dorenburg vorbei Richtung Hinsbeck und südöstlich an Leuth vorbei nach Kaldenkirchen. Die jetzt ehemalige Bahntrasse entsprach dem Vorschlag C. Es gab auch für kurze Zeit die Überlegungen eine Strecke von Lobberich über Boisheim nach Waldniel zu bauen. Anfangs fuhren hier noch von Loks gezogene Züge, die aber ab Anfang der 1960er-Jahre wegen der zunehmenden Motorisierung durch den "Retter der Nebenbahn", den Uerdinger Schienenbus(VT95), zum Schluss auch durch den ETA150-Akku Schienenbus (BR 515, Steckdosen-IC) ersetzt wurden. Am 06.März 1956 gab es einen schweren Zugunfall zwischen Kempen und Mülhausen: Ein nach Kaldenkirchen fahrender, vollbesetzter Schienenbus prallte mit einem LKW an einem unbeschrankten Bahnübergang zusammen. Nach dem sang- und klanglosen Ende zwischen Kempen und Grefrath am 28.05.1983 wurde hier ein Radweg errichtet. Die Gleisanlagen in Grefrath und Lobberich baute man weitestgehend zurück. Das Bahnhofsgebäude in Lobberich wurde 1976 abgerissen, die Bahnhöfe in Grefrath und Mülhausen werden heute gastronomisch genutzt. Nach der Einstellung des Personenzugverkehrs am 22.05.1982, gab es noch einen florierenden Güterverkehr (auch in Lobberich wurde noch rangiert), der jedoch zu Beginn der 1990er Jahre stark eingeschränkt wurde. Meist bedienten Dieselloks der Baureihe 290 wochentags noch zwei Privatanschlüsse am Lobbericher Güterbahnhof sowie hinter dem Grefrather Bahnhof. Diese Aktivitäten endeten auf der Bahnlinie, die zu ihren guten Zeiten einmal Hauptbahn gewesen war und mit der Konkurrenzlinie Viersen - Kaldenkirchen durchaus mithalten konnte, erst mit der endgültigen Stilllegung am 31.10.2000 durch das Eisenbahn-Bundesamt. Der allerletzte Personenzug, der die Eisenbahngleise zwischen Lobberich und Kaldenkirchen befuhr, war ein "Sonderzug" der zu Filmdreharbeiten 1991 eingesetzt wurde. Nach der Stilllegung wurde die Strecke europaweit ausgeschrieben. Anfang 2004 wurden, obwohl es Interessenten zur Streckenübernahme gab, die Schienen auf der alten Bahnlinie schnellstmöglich entfernt. Nur der Schotter und einige Gleisstücke bei Wirtschaftswege-Querungen erinnern an die einstige Bahnstrecke, die vielleicht einmal komplett zum Radweg wird. Die Personenzüge hielten an den Stationen Kaldenkirchen, Wittsee(ab 1952), Lobberich, Grefrath, Oedt-Mülhausen, Kamperlings und Kempen. Der Bahnhof Oedt-Mülhausen wurde 1896 durch eine Initiative des Klosters in Mülhausen errichtet. Der Haltepunkt Kamperlings, an der bahnintern bezeichneten Strecke 2512, wurde erst 1956 kurz nach dem Zugunglück errichtet. An die alten Bahnhöfe in Lobberich und Mülhausen erinnern heute nur noch die Namen der Linienbushaltestellen. Die alten Empfangsgebäude, abgesehen vom Start- und Zielpunkt der Strecke, sind nur noch in Grefrath und in Mülhausen-Oedt vorhanden.

Auf der Internetseite zum Buch: "Bahnen am Niederrhein" wird eine Cargo-Bedienfahrt Kaldenkirchen-Grefrath gezeigt:

 Cargo-Bedienfahrt Kaldenkirchen - Grefrath  Länge:80min Größe: 483 MB Aufnahme: August 1995

Dieser Artikel über die ehemalige Bahnlinie Kaldenkirchen - Kempen ist auch auf Wikipedia und Geocaching nachzulesen. Die Veröffentlichung auf den jeweiligen Internetseiten wurde mit mir abgestimmt.

Krefeld- Willich - Neersen - Mönchengladbach(Neuwerk)

Am 15.11.1877 ging die 20,5 km lange Bahnlinie Krefeld - Willich - Neersen - Mönchengladbach als Strecken der Rheinischen Eisenbahn, einer Privatbahn, zeitgleich mit der Strecke Neuss - Schiefbahn - Neersen in Betrieb. Auf dem Abschnitt Neuwerk - Mönchengladbach Hbf wurde 1944 der Gesamtverkehr eingestellt. Die Deutschen haben beim Anrücken der Feinde Ende 1944 eine Brücke gesprengt. Dieser Abschnitt wurde nicht wieder aufgebaut. Die Strecke wurde nie elektrifiziert und auf dem Abschnitt Krefeld - Niederheide - Neersen zweigleisig, sowie zwischen Neersen und Neuwerk eingleisig gebaut. Der Rückbau des zweiten Gleises fand allerdings schon Anfang der siebziger Jahre (1972 oder 1973) statt. Die Steckdosen-IC (Akku-Schienenbusse ETA150 (Baureihe 515) fuhren hier bis zur Einstellung des Personenverkehrs am 22.05.1982. Danach kamen nur noch einzelne Schotterzüge (mit Loks der Baureihe 212) bis zum Schotterplatz hinter dem Bahnhof Mönchengladbach-Neuwerk zum Einsatz. Am 31.12.1984 wurde auch diese Güterverkehrsleistung auf dem Abschnitt Schiefbahn-Nord - Neuwerk eingestellt. Auf der gegenüberliegenden Seite des Willicher Bahnhofs am Moltkeplatz befand sich der Güterbahnhof. Dort war die Strecke sogar einmal viergleisig mit zwei Bahnsteigen. Südlich davon (im Bereich der Straße An Liffersmühle) gab es mehrere Rangiergleise und einen Gleisanschluss an das ehemalige Stahlwerk Becker. Diese wurden erst entfernt, als das Stahlwerksgelände zum Gewerbegebiet umgebaut wurde. Etwa 1 km nach Ausfahrt aus dem Krefelder Hauptbahnhof verlässt die Strecke die Hauptbahn Krefeld - Viersen und zweigt in Richtung Edelstahlwerk ab, wo es auch den ersten Haltepunkt gab. Hier lässt sich noch regelmäßigen Güterzugverkehr zum Edelstahlwerk beobachten. Der Abschnitt Krefeld - Willich wurde noch bis in die 90er Jahre von den im Willicher Stahlwerk Becker stationierten britischen Truppen für Gütertransporte benutzt. Um das Jahr 1992 wurde die Kaserne geschlossen. Dabei fuhren letztmalig mehrere Güterzüge zum Abtransport der militärischen Einrichtung von Willich ab. Am 28.05.1994 endet der Güterverkehr auch zwischen den Bahnhöfen Schiefbahn-Nord und Krefeld-Stahlwerk. Am 24.12.1997 wurde die Strecke vom Eisenbahnbundesamt endwidmet. Im weiteren Verlauf der ehemaligen Trasse sind bereits auf einigen Abschnitten die Schienen entfernt, und ehemalige Bahnanlagen mit Häusern bebaut. An die alten Bahnhöfe in Schiefbahn-Nord und Neersen erinnern heute nur noch die Namen der Linienbushaltestellen. Der Willicher Bahnhof wird heute privat genutzt. Die Stadt Willich hat die Trasse gekauft und es soll hier, wie auf vielen anderen ehemaligen Bahnstrecken ein Alleenfahrradweg entstehen. Die Deutsche Bahn wurde verpflichtet noch in diesem Jahr den Gleiskörper zu entfernen.

Dülken - Waldniel - Amern - Born - Brüggen

Am 01.10.1890 wurde die rund 15 km lange eingleisige Eisenbahnlinie von Dülken nach Brüggen eröffnet, die im Volksmund "Klimp" genannt wurde. Gebaut wurde die Strecke, die mitten durch das Schwalmtal führte, in erster Linie für den Transport von Dachziegeln und Tonröhren aus Brüggen. Personenzüge fuhren auf der Strecke 2513 bis zum 01.08.1966. Wenige Jahre befuhr 1975 der letzte Güterzug die Strecke bis Brüggen. Der alte Brüggener Bahnhof wurde 1981 zu einem Hotel umgebaut, und trägt seitdem den Namen "Brüggener Klimp", Vor dem Bahnhof ist eine Denkmal-Lok aufgestellt, die aber nie auf dieser Strecke verkehrte. Der Verein "Schwalmtalbahn" hatte Anfang der 80er-Jahre die Idee Ausflugsverkehr für Touristen auf der Bahnstrecke durchzuführen. Die alten, von der Bundesbahn erworbenen Uerdinger-Schienenbusse wurden nach Amern transportiert. Aus den Plänen wurde aber nichts. Die nächste Station für die "Retter der Nebenbahn" war nun doch der Schrottplatz. Am 28.09.1984 folgte die Stilllegung des Streckenabschnitts Brüggen - Waldniel, auf dem 1987 auch die Gleise entfernt wurden. Kurze Zeit später entstand hier ein Radwanderweg. Bis zum 01.07.1996 bedienten den noch rund 7 Km langen Abschnitt Dülken - Waldniel Güterzüge mit einer Diesellok der Baureihe 290. Der Gleisanschluss Rösler Draht in Waldniel war bis 1998 der letzte Anschliesser an dieser Strecke. Das Werk (heute Betafence) existiert heute noch, jedoch wird alles per LKW an- und abtransportiert. Die endgültige Stilllegung und Endwidmung folgte am 07.05.1998 durch das Eisenbahnbundesamt. Damit eine schnelle Wiederinbetriebnahme, z.B. durch eine Privatbahn, ausgeschlossen werden konnte, wurden kurze Zeit später auch hier die Schienen entfernt. Die Personenzüge hielten früher in Dülken, Dülken-West(ab1957), Birgen, Waldniel, Schier, Amern, Born und Brüggen(Niederrhein).

Auf der Internetseite zum Buch: "Bahnen am Niederrhein" wird eine Übergabefahrt Dülken - Waldniel und zurück gezeigt:

 Güterzugbedienung Dülken-Waldniel  Länge:41 min Größe: 240 MB Aufnahme: März 1996

Kaldenkirchen - Bracht (Kleinbahn Kaldenkirchen - Brüggen KKB) 

Am 19. Februar 1901 wurde die 12,5 km lange, normalspurige "Kleinbahn" Kaldenkirchen - Brüggen eröffnet. Betrieben wurde sie durch die Deutsche Eisenbahngesellschaft (DEG). Die ursprünglich nur für Güterverkehr konzessionierte Bahnlinie, die von Kaldenkirchen über Bracht und Oebel nach Brüggen verlief, erhielt am 1. April 1904 die Erlaubnis zum Personenverkehr, der jedoch nie eine sonderliche Rolle spielte, und am 4. Oktober 1930 eingestellt wurde. Die Fahrzeiten zwischen den Kleinbahnhöfen Kaldenkirchen und Brüggen betrugen zwischen 50 und 65 Minuten über Bracht. Neben Ziegeleierzeugnissen aus der Region wurden Holz und Stückgut verladen. Da in den 50er Jahren immer mehr Güter auf den LKW verladen wurden, eine große Ziegelei in Oebel ihre Produktion einstellte und die Holztransporte ebenfalls ausfielen, wurde der Abschnitt von Brüggen-West (Oebel) bis zum Depot 1964 stillgelegt. An der alten Trasse stehen heute noch vereinzelt Kilometersteine, und die Spuren der sehr umfangreichen Bahnanlagen lassen sich noch sehr gut zurückverfolgen. Im Brachter Depot der Briten gab es früher drei Bahnhöfe. Für Rangierarbeiten setzte die 79. Railway Squadron eigene Diesellokomotiven ein, die hier stationiert waren. 80 Jahre nach Beginn des Personenverkehrs gab es am 14. und 15. April 1984 Dampfzug-Sonderfahrten mit historischen Reisezugwagen, die tausende Besucher alleine zum Bahnhof Kaldenkirchen-Nord lockten. Auch der heute fast schon vergessene ET491 (Gläserner Zug) besuchte die Kleinbahn. Der Fall der Mauer und das Ende des Kalten Krieges besiegelten das Ende. Noch einmal rückte das Depot 1991 in den Blickpunkt: Nachts fuhren immer wieder Züge mit Munition über die Strecke. Sie versorgten die verbündeten Weststreitkräfte im Golfkrieg mit dem Irak. Die nächsten umfangreichen Munitionstransporte gehörten bereits zum Abbau des Lagers. Die letzte Dampflok fuhr hier im April 1966 ihre Einsätze (ELNA-Lok Nr. 158 KB). Die letzte auf der Strecke eingesetzte Lok war eine MaK-Diesellok V 65, eine seltene "Stangendiesellokomotive" mit 600 PS. Anfang 1996 endete dann der Betrieb auf der "Kleinbahn". Es gehört zur Ironie der Geschichte, dass die Bahnstrecke wenige Tage vor ihrem hundertjährigen Bestehen endgültig von der Bildfläche verschwunden ist. Der Versuch der Rhein-Sieg-Eisenbahn (RSE) 1998/99 zu retten, was nicht zu retten war, scheiterte. Nettetal und Brüggen sollten die Strecke kaufen, und die RSE wollte sie pachten. Alle weiteren Kosten wären ohne Belastung der Kommunen finanziert worden.

Auf der Internetseite zum Buch: "Bahnen am Niederrhein" wird eine Fahrt mit der KKB-Lok "Inge" gezeigt:

 Fahrt mit KKB-Lok V65 "INGE" Kaldenkirchen - Bracht  Länge:32 min Größe: 189 MB Aufnahme: August 1995

Bahnstrecken der ehemaligen Krefelder Eisenbahn Gesellschaft im Kreis Viersen:

KBS 12424 St.Tönis - Krefeld(Nord) - Hülser Berg (Museumseisenbahn Schluff)

Die heute als Museumseisenbahnstrecke umfunktionierte 17,4 Km lange Strecke von St.Tönis über Krefeld(Nord) zum Hülser Berg ist das letzte noch verbliebene Teilstücke eines relativ großen Streckennetzes der Krefelder Eisenbahn-Gesellschaft AG (KEG). Die Linie wurde am 1.11.1870 für den Bahnverkehr durch die Crefeld-Kreis Kempener Industrie-Eisenbahn Gesellschaft (CKKIE) in Betrieb genommen. Wegen des zunehmenden Omnibusverkehrs in Krefeld wurde der Abschnitt St.Tönis - Krefeld für den Personenvekehr im Mai 1933 eingestellt. Kriegsbedingt wurde der Personenverkehr aber im Herbst 1939 wieder aufgenommen und am 20.Mai 1951 endgültig eingestellt. Seit 1968 wird Museums-, Gesellschafts- und Ausflugsverkehr durchgeführt. Die 4-achsige Tender Dampflok "Graf von Bismarck" mit Ölfeuerung wurde in Dienst gestellt und noch erhalten gebliebene Personenwagen aufgearbeitet. Der "Schluff"-Museumsdampfzug wird heute an Sonn- und Feiertagen (vom 01.Mai - Mitte Oktober) durch die Städtischen Werke Krefeld (SWK) betrieben. Gehalten wird am Wilhelmsplatz in St.Tönis, am Nordbahnhof Krefeld, in Krefeld Hüls und am Hülser Berg. Wochentags gibt es noch einen recht regen Güterverkehr durch die Dieselloks der Krefelder Eisenbahn zwischen den einzelnen Werksanschlüssen im Krefelder Stadtgebiet.

Viersen - Süchteln - Vorst - St.Tönis

Die feierliche Streckeneröffnung wurde am 1. November 1870 mit einer Zugfahrt von Viersen nach Krefeld Nord durch die 1868 gegründete Crefeld-Kreis Kempener Industrie-Eisenbahn Gesellschaft (CKKIE) gefeiert. Durch den Konkurs der CKKIE im Jahr 1874 ging der Bahnbetrieb 1880 auf die Crefelder Eisenbahn-Gesellschaft (CEG) über. Bereits 1915 wurde die rund 600m lange Verbindung vom CEG-Bahnhof im Viersener Rahserfeld zum "Staatsbahnhof", die 1890 eröffnet wurde, stillgelegt. Die 1928 gegründete KEG (Krefelder Eisenbahn Gesellschaft) stellte am 1. Dezember 1935 den Bahnbetrieb zugunsten des zunehmenden Busverkehrs ein. Der Nachfolger, die Krefelder Verkehrs AG (KREVAG), die seit 1937 Betreiber war, nahm ab Herbst 1939 kriegsbedingt den Personenverkehrs wieder auf. Am 20.Mai 1951 wurde der Personenverkehr endgültig eingestellt. Der Zugbetrieb zwischen Viersen und Süchteln endete 1962. Anfang der 80er Jahre wurden die Gleise von auf dem gesamten Streckenabschnitt entfernt. Die alte Bahntrasse dient seitdem als Radwanderweg. Alte Bahngebäude gibt es heute nicht mehr. Straßennamen, wie "Am Schluff" in Viersen, erinnern noch an die ehemalige Bahnlinie.

Süchteln - Grefrath

Am 1.Novenber 1870 wurde der Betrieb auf dieser normalspurigen Bahnlinie aufgenommen. Die von der Crefeld-Kreis Kempener Industrie-Eisenbahn Gesellschaft (CKKIE) betriebenen Strecke erlebte nur den 1880 stattfindenden Betreiberwechsel zur Crefelder Eisenbahn-Gesellschaft (CEG). Bereits 46 Jahre später, am 15.11.1916 wurde der Bahnverkehr hier eingestellt. Der Bahndamm verlief unmittelbar entlang der heutigen Landstraße von Süchteln nach Grefrath.

Hüls - St.Hubert - Kempen - Oedt - Süchteln

Am 18. Februar 1872 etwa 15 Monate nach der Eröffnung der Bahnlinie Viersen - Süchteln - St.Tönis wurde die Strecke Hüls - St.Hubert- Kempen - Oedt - Süchteln in Betrieb genommen. Wie auch auf den anderen Strecken der alten Krefelder Eisenbahn stellte man auch hier Bahnbetrieb 1933 ein. Wegen des Kriegsbeginns wurde 1939 der Betrieb wieder aufgenommen, und 1951 eingestellt. Das Teilstück Kempen - Oedt wurde nur wenige Tage später stillgelegt. 1964 folgte auch der Abschnitt Süchteln - Oedt. Auf Stadtplänen lässt sich der ehemalige Trassenverlauf noch erahnen.  

"Geldernsche Kreisbahn" Schmalspurbahn Kempen - Straelen - Kevelaer

Die Geldernsche Kreisbahn war eine kleine Schmalspurbahn (Spurweite 1000mm) im Besitz des Kreises Geldern, die zwischen dem 01.09.1902 und dem 01.04.1932 von Kempen über Straelen nach Kevelaer fuhr und in ihrem 30 jährigen Bestehen einen großen Einfluss auf die wirtschaftliche und verkehrspolitische Situation in dieser Region hatte. Im südlichen Ausgangspunkt, dem Bahnhof Kempen, trafen die schmalspurige Geldernsche Kreisbahn, die normalspurige Krefelder Eisenbahn und die Preußische Staatsbahn aufeinander. Für den Güterverkehr gab es extra Abstell- und Ladegleise für die Umladung der Güter auf die Staatsbahn. Insgesamt verkehrten zwischen Kempen und Kevelaer bis zu fünf durchgehende Zugpaare, wobei auf den beiden Teilstrecken Straelen - Kevelaer und Straelen - Kempen noch zusätzliche Züge fuhren. Aus alten Fahrplänen lässt sich schließen, dass auf der Teilstrecke Straelen - Kempen der Personenverkehr wesentlich höher war, da wesentlich mehr Züge als auf dem anderen Streckenabschnitt fuhren. Bei besonderen Anlässen wurden auch Sonderzüge eingesetzt.

 

Quellen:

"Eisenbahn in Mönchengladbach" - Verlag Kenning ISBN 3-927587-28-1

"Bahnen am Niederrhein" - Verlag Barthels ISBN 978-3-9810183-3-2.

NRW-Bahnarchiv von André Joost - http://nrwbahnarchiv.privat.t-online.de

Meldungen in verschiedenen Eisenbahnforen u.a. http://www.drehscheibe-online.de

Meldungen in der Eisenbahnpresse, wie Eisenbahn-Kurier, Eisenbahn-Magazin, u.a. 

Meldungen in den örtlichen Tageszeitungen Rheinische Post, Westdeutsche Zeitung

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